Informationsveranstaltung zum Thema „Unser Wasser“

Am 22. Juni 2015 organisierte der Verein Kulturlandschaft Blankensee e.V. eine Informationsveranstaltung zum Thema „Unser Wasser“. Gast war Herr Uwe Mentz, technischer Geschäftsführer der Trink- und Abwasserzweckverbands Uecker-Randow, Südost. Das öffentliche Interesse an der Veranstaltung war groß. Da Herr Mentz sich jedoch ausbedungen hatte, dass keine Vertreter der Presse anwesend seien, mussten NDR und „Nordkurier“ ausgeladen werden. Ursache waren schlechte Erfahrungen des Zweckverbandes mit der Presse, die oftmals unrichtig berichtet habe, obwohl ihr korrekte Informationen zur Verfügung gestellt worden seien. Richtungsweisend für die Informationspolitik des Zweckverbandes ist die Trinkwasserverordnung. Der Verband informiert sich und andere nur in dem Maße, in dem es die Verordnung vorschreibt. Dennoch kam ein sehr freundliches, offenes, sachliches und informatives Gespräch zustande, bei dem Herr Mentz alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortete.

Dr. René Sternke hatte das Leitungswasser im Vorfeld von einem Labor in Ormont überprüfen lassen, was sich insofern als zweckmäßig erwies, als Herr Mentz keine Daten herausgab. Die Wasseranalysen können jedoch schriftlich angefordert werden und würden dann zugeschickt. Die Zahlen, die im Folgenden genannt werden und die sachlich mit den Aussagen von Herrn Mentz übereinstimmen, entstammen dem Untersuchungsbefund aus Ormont.

Herr Mentz führte aus, dass das hiesige Wasser, abgesehen vom Einsatz eines Kiesfilters, keine besonderen Aufarbeitungsmaßnahmen erfordert. Dem Wasser wird Sauerstoff hinzugefügt und Eisen und Mangan entzogen. Das Wasser ist hart.

Die Abnahmebedingungen sind gleichbleibend. Es werden 200 000 m3 im Jahr gepumpt.
Die Brunnen sind ca. 35 m tief. Das Wasser wird durch das Gesundheitsamt regelmäßig geprüft.

Vor 5 bis 6 Jahren hat der Zweckverband eine Neuausweisung der Trinkwasserschutzzonen beantragt. Angestrebt wird eine Verkleinerung dieser Zonen.
Es gibt im Wesentlichen keine Probleme, abgesehen von bakteriellen Belastungen. Von Oktober 2012 bis in das Jahr 2013 gab es Enterokokken, die durch Mücken verursacht wurden. Es wurde gechlort. Derartige Probleme treten etwa alle fünf Jahre auf. In solchen Fällen wird über die Homepage, Zeitung und Wurfzettel informiert.

Die Chloridbelastung (224,2 mg/l – Grenzwert: 250 mg/l) ist geogenbedingt. Der Chloridgehalt des Wassers aus einem der sieben Brunnen übersteigt den Grenzwert zuweilen. Daher hat der Zweckverband eine Hochsetzung des Grenzwerts beantragt.

Die leichte Natriumbelastung (157 mg/l, Grenzwert: 200 mg/l) ist ebenfalls geogenbedingt. – In diesem Zusammenhang warf Dr. Sternke die Frage auf, warum der Zweckverband die Wasseranalysen, wie es andere Zweckverbände bereits tun, nicht im Internet veröffentliche, da es sich doch um sinnvolle Informationen handelt. Für Säuglinge wird Wasser mit einem Natriumgehalt von weniger als 20 mg/l empfohlen. Unser Wasser ist für die Kleinkindernährung also ungeeignet. Die Eltern wissen das jedoch nicht. Herr Mentz antwortete darauf, dass die Veröffentlichung der Analysen nicht durch die Trinkwasserverordnung vorgeschrieben sei. Es sei Aufgabe des Gesundheitsamts, über den genannten Sachverhalt zu informieren und nicht des Zweckverbands. Herr Mentz wies darauf hin, dass im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern nur drei Zweckverbände Daten veröffentlichen und diese auch nur einen Teil der Daten. Herr Roch bemerkte darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern ja nicht immer und überall das Schlusslicht sein müsse und der Zweckverband ein gutes Beispiel geben könne.

Das in Löcknitz gewonnene Wasser fließt aus Richtung O und NO zu, so dass mit einer Beeinflussung durch das kontaminierte Gelände der Heeresmunitionsanstalt nicht gerechnet wird. Der Arsengehalt (< 8 μg/l – Grenzwert: 10 μg/l) ist unbedenklich. Auf Dioxine und Furane, die sich auf dem unberäumten Muna-Gelände befinden und teilweise krebserregend sind, wird das Trinkwasser allerdings nicht geprüft, weil derartige Prüfungen sehr teuer und nicht durch die Trinkwasserverordnung vorgeschrieben sind.
Das Ausmaß der zu erwartenden Veränderung der hydrologischen Bedingungen durch die Errichtung eines Tagebaues konnte Herr Mentz nicht abschätzen. Für den Zweckverband würden sich aus einem Tagebau keine Probleme ergeben, da er seinen Versorgungsauftrag auch unter veränderten Bedingungen erfüllen und das Wasser gegebenenfalls von woanders her liefern könne. Herr Mentz wies jedoch auch darauf hin, dass die Trinkwasserversorgung ein wichtiger Aspekt bei der Raumordnung ist.

Schlussfolgerungen des Vereins und erste Ergebnisse:

Der Verein will sich an den Vorstand des Zweckverbandes wenden und um eine liberalere Informationspolitik, d. h. die regelmäßige Veröffentlichung der Wasseranalysen, zu bitten. Der Verein will sich zur Wasserbehörde des Kreises, zum Gesundheitsamt und zum Landesamt für Hydrologie in Verbindung treten, um die Problematik zu vertiefen. Die Verkleinerung der Trinkwasserschutzzonen bringt für einzelne Akteure (den Zweckverband oder Haushalte, die eine Ölheizung einbauen wollen) Vorteile, langfristig aber Nachteile für die Gesellschaft, da Wasser eine lebenswichtige Ressource ist, die geschützt werden muss. Hier müsste das gesellschaftliche Bewusstsein geschärft werden. Die Belastung des hiesigen Trinkwassers mit Dioxinen und Furanen ist nicht nachgewiesen, aber auch nicht auszuschließen. Immerhin ist das hochtoxische Muna-Gelände keine 10 km von den Trinkwasserbrunnen entfernt. – Wenige Tage nach der Veranstaltung sandte der Zweckverband dem Verein Kulturlandschaft Blankensee die aktuellen Wasseranalysen zu. Auf Bitte des Vereins hat der Vorstand des Zweckverbandes darüber beraten und beschlossen, die Wasseranalysen künftig regelmäßig auf seiner Homepage zu veröffentlichen.

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