ornithologischen Radwanderung

Am 3. November 2013 lud der Verein Kulturlandschaft Blankensee e.V. zu einer ornithologischen Radwanderung auf dem Gemeindegebiet ein. Trotz der für Langschläfer ungemein frühen Stunde (8.30 Uhr), dem Nieselwetter und der noch schlimmeren Wetterprognose fand sich eine Gruppe von sieben Radlern vor dem Gemeindezentrum ein. Kompetenter Führer war Stefan Schwill, Vorsitzender des NABU Mecklenburg/Vorpommern, der die wunderbare Gabe besitzt, nahezu jede Vogelart an ihrem Ruf zu erkennen. In einer stillen melancholischen Herbstlandschaft streckten die Bäume ihre weitgehend entlaubten Äste dem grauen Himmel entgegen. Das graureisige Geschwader der Wildgänse ließ seinen schrillen Schrei vernehmen. Die Stimmen des bescheidenen Vogelorchesters, das in Kammerbesetzung musizierte, bildeten für den Kenner Schwill keine Herausforderung, wohl aber für sein mehrheitlich ungeübtes Gefolge. Neben dem Krähen des Kolkraben und dem Zwitschern der Kohlmeisen ertönte das „schack schack“ einiger Wacholderdrosseln, die auf der Durchreise sind oder ihr Winterquartier bezogen haben. Von der komplizierten Melodie der Grauammer, die mit markanten Schlägen beginnt und mit raffiniertem Tremolieren endet, hob sich das helle „Diüü“ des Gimpels kontrastreich ab. Die Freiflächen, welche die Radler durchquerten, charakterisiert der Wechsel von Äckern, Brachflächen, Baumgruppen und kleinen Wäldchen.

Wie Dr. Tadeusz Leśnik auf der letzten Veranstaltung des Vereins Kulturlandschaft Blankensee e.V. darlegte, bildet die Landschaft um Blankensee eine Außenstelle des polnischen Vogelschutzgebietes Świdwie, weil viele der dort übernachtenden Vögel, etwa Kraniche, auf Blankenseer Äckern ihre Nahrung finden. Nun erläuterte Stefan Schwill vor Ort, welche Bedeutung die verschiedenen Strukturelemente einer solchen kleinteiligen Landschaft für die Fauna besitzen. Der Neuntöter etwa findet seine Nahrung auf den Brachflächen und kann sie dann auf baumbewachsenem Terrain lagern. Durch das Überpflügen von Wegen und die Beseitigung von Randstrukturen gehen der Tierwelt Habitate verloren. Auch im Wald diskutierten die Teilnehmer der Exkursion darüber, wie eine naturnähere Bewirtschaftung des Gemeindegebietes vorstellbar wäre. So ließe sich etwa der Verdrängung der einheimischen Flora durch die nordamerikanische Traubenkirsche, die die Radler mit eigenen Augen wahrnehmen konnten, durch die Pflanzung von Buchen entgegenwirken. Langfristig wäre eine naturnahe Forstwirtschaft sogar ökonomisch vorteilhaft, weil die Natur für die Menschen produzieren würde. Die malerisch hügligen Flächen, die die Radler durchstreiften, sind auf den Karten des Umweltministeriums als Freiflächen mit hoher Funktionsbewertung ausgezeichnet, auf denen mancher Windenergiebetreiber als Windeignungsgebiete. Auch wenn die Landschaft südlich von Blankensee gemessen an der auf dem nördlichen Gemeindegebiet entstehenden Wildnis stiller und sanfter wirkt, bildet sie doch ein reizvolles Gegenstück zu jener und verdient als solches erhalten zu werden. Angesichts der grundlegenden Veränderung des Landschaftsbildes im Zuge der Energiewende ist es bereits heute schon so, dass nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus dem ländlichen Raum, nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Löcknitz und Pasewalk Besucher in die Umgebung von Blankensee kommen, um das Land wieder einmal so zu erleben, wie sie es in ihrer Kindheit kennengelernt haben.

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