Kulturlandschaftsgespräch

Am 25. Oktober 2013 trafen sich Vereinsmitglieder und interessierte Bürgerinnen und Bürger im Gemeindezentrum Blankensee zum ersten Kulturlandschaftsgespräch.
Dr. Tadeusz Leśnik (Westpommersche Technische Universität Stettin) stellte das neueröffnete Grenzüberschreitende Umweltbildungszentrum Zalesie (TOEE) vor. Der Verein Kulturlandschaft Blankensee e. V. wurde zu einer gemeinsamen Veranstaltung des TOEE und der mit ihm kooperierenden Organisationen eingeladen. Geplant ist weiterhin eine Exkursion aller interessierten Bürger der Gemeinde Blankensee nach Zalesie. Angestrebt wird, dass der Verein Kulturlandschaft Blankensee e. V. gemeinsame Projekte mit dem TOEE oder der Westpommerschen Technischen Universität entwickelt. Erste Ideen wurden bereits geäußert.

Susanne Völlm (Blankensee) erläuterte ihre Ideen zur Erarbeitung von Themenwegen. Die auf unserem Gemeindegebiet und in dessen Umgebung befindlichen Biotope, Geotope, Natur- und Kulturdenkmale sollen dergestalt erfasst werden, dass potentielle Nutzer Wander- oder Radrouten auf der Grundlage dieser Datensammlung entsprechend ihren spezifischen Interessen erarbeiten können. In der Diskussion wurde die Erarbeitung eines Wiki angeregt. An der Datenerfassung sollen sich alle Interessierten, die über einen IT-Zugang verfügen, beteiligen können.

Matthias Roch (Freienstein) referierte seine Forschungen zum Schicksal der jüdischen Familie Jaffé, die das Gut Freienstein von 1932 bis 1938 bewirtschaftete. In Auseinandersetzung mit der im Dorf kursierenden Erzählung, es habe einmal einen jüdischen Bankbeamten gegeben, der sich auf Freienstein als Landwirt versucht habe und gescheitert sei, legte Roch auf der Grundlage der archivalischen Überlieferung dar, wie das vorbildlich bewirtschaftete Gut der Jaffés durch die Auferlegung einer Sühneschuld nach der sogenannten Reichskristallnacht gezielt verschuldet und Jaffé durch KZ-Haft, während welcher das Gut inventarisiert wurde, verkaufsbereit gemacht wurde. Roch machte nicht nur das forschungsstimulierende Potential der oral history augenfällig, sondern auch ihre Grenzen. Diskutiert wurde, auf welche Art Rochs Recherchen aufbewahrt und öffentlich zugänglich gemacht werden können. Eine Exkursion in die vollständig erhaltene Gutsanlage Freienstein, deren Gebäude einen funktionalen Wandel erfahren haben, wird vorbereitet.

Der Verein Kulturlandschaft Blankensee e.V. unterstützt den laufenden Antrag der Gemeinde Blankensee auf Einbringung des gesamten Territoriums in den Naturpark Am Stettiner Haff. Das erste Kulturlandschaftsgespräch orientierte auf eine stärkere Betätigung der Gemeinde gemäß den Naturpark-Kriterien (Landschaftskunde und -schutz, touristische Erschließung, internationale Kooperation). Angeregt wurde die Mitgliedschaft der Gemeinde Blankensee im Förderverein Natur und Leben am Stettiner Haff.

Advertisements